TESS kartiert die Dunkelheit: 6.000 potenzielle Welten enthüllt

15

TESS sieht jetzt alles.

Oder zumindest der Teil, der auf die Erde herabblickt. Der Transiting Exoplanet Survey Satellite der NASA hat gerade sein vollständigstes Himmelsmosaik veröffentlicht. Die Karte deckt jeden Zentimeter der für uns sichtbaren Himmelssphäre ab. Sechstausend potenzielle Planeten warten dort.

Die Daten enden im September 2025. Dieses Datum markierte das Ende der zweiten Missionsverlängerung von TESS. Eine lange Reise für ein Schiff, das im April 2018 von Cape Canaveral aus startete. Space Launch Complex 40. Es fühlte sich an wie gestern.

„In den letzten acht Jahren hat sich TESS zu einem Feuerwehrschlauch entwickelt.“

Hier spricht Rebekah Hounell. Assoziierter Projektwissenschaftler bei Goddard. Sie hat nicht Unrecht. Der Fluss ist konstant. Planeten kommen in jeder Form aus dem Rohr. Winzige. Quecksilbergroße Flecken. Massive Gasriesen, größer als Jupiter.

Einige sitzen in der Wohnzone. Wo sich Wasser an der Oberfläche ansammeln könnte. Wir suchen danach. Stets. Leben braucht nassen Boden. Oder jedenfalls flüssig.

Wie finden sie sie?

Indem man Schatten beobachtet. Wenn ein Planet seinen Stern kreuzt. Ein Transit. Das Sternenlicht wird schwächer. Nur ein bisschen. TESS fängt diesen Rückgang auf. Es unterteilt den Himmel in 96 Sektoren. Jedes ist mit Zehntausenden von Sternen gefüllt. Vier Kameras starren einen Monat lang auf einen Sektor. Dann bewegen sie sich. Methodisch. Unerbittlich.

Die neue Karte erzählt die Geschichte mit Punkten. Blau bedeutet bestätigt. Wir sind sicher, dass es rund 700 Welten gibt. Exotische inklusive. Planeten werden von ihren Sternen auseinandergerissen. Von globalen Vulkanen erstickte Welten.

Orange Punkte? Das sind Kandidaten. Verdächtige. Warten auf Bestätigung.

„Zusätzlich zu den Planeten hat TESS uns dabei geholfen, Flüsse zu untersuchen, junge Sterne beobachten dynamisches galaktisches Verhalten und erdnahe Asteroiden zu überwachen“

Allison Youngblood. Projektwissenschaftler. Sie durchforstet die Daten mit automatisierten Algorithmen. Sie findet Überraschungen.

Die Karte ist im Vergleich zu den diesjährigen Funden eine alte Neuigkeit. TESS entdeckte ein Planetensystem, das seinesgleichen sucht. Eine Supererde gepaart mit einem Begleiter. Der Zweite? Seine Umlaufbahn ist stark elliptisch. In einem Winkel geneigt, der keinen Sinn ergeben sollte.

Auch dieses Jahr. Hinweise darauf, dass zwei Planeten aufeinanderprallen. Vor dem Mutterstern hängt eine Trümmerwolke. Wissenschaftler untersuchen diese Katastrophe. Vielleicht spiegelt es unsere eigene Geschichte wider. Eine Kollision vor Milliarden Jahren? Das Ereignis, das den Mond hervorgebracht haben könnte?

Wer weiß, was als nächstes passiert. Der Datensatz wächst. Die Algorithmen gehen tiefer. Der Nachthimmel füllt sich immer mehr mit Blau und Orange.

Keine Ahnung, was sich in den restlichen Pixeln verbirgt.

Oder vielleicht ist es das schon.