Der Astrofotograf Ronald Brecher hat einen atemberaubenden Einblick in den Virgo-Galaxienhaufen gewährt und ein Phänomen namens Markarians Kette eingefangen. Dieses Bild, aufgenommen in einem Hinterhof in Guelph, Kanada, zeigt eine dichte Galaxienkette zwischen den Sternbildern Löwe und Jungfrau.
Das Foto ist besonders bemerkenswert für seine Klarheit in Bezug auf NGC 4438 und NGC 4435, ein Paar interagierender Galaxien, die oft als „Die Augen“ oder „Markarians Augen“ bezeichnet werden. Diese beiden Galaxien befinden sich direkt unterhalb der Bildmitte und zeigen auffällige Farben und komplexe Details, die durch das Zusammenspiel ihrer Gravitation verursacht werden.
Die interagierenden „Augen“
Das visuelle Drama im Zentrum von Brechers Foto entspringt einem kosmischen Kollisionskurs. NGC 4438 und NGC 4435 sind keine statischen Nachbarn; Ihre gegenseitige Anziehungskraft hat ihre Spiralstrukturen erheblich gestört.
- Gravitationsstörung: Die Wechselwirkung hat Ströme von Staub, Gas und Sternen aus ihrer ursprünglichen Formation weggezogen.
- Visuelle Wirkung: Diese „großen Flüsse“ aus kosmischem Material erzeugen ein dynamisches, fließendes Erscheinungsbild, das im Kontrast zu den glatteren Formen nichtwechselwirkender Galaxien steht.
Diese Wechselwirkung ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich Galaxien entwickeln. Während einzelne Sterne aufgrund der großen Entfernungen zwischen ihnen selten kollidieren, können ganze Galaxien im Laufe von Millionen von Jahren verschmelzen oder sich gegenseitig verzerren und so das Gefüge des lokalen Universums neu formen.
Kontext: Der Jungfrau-Überbau
Markarians Kette ist nach dem Astronomen Benjamin E. Markarian benannt, der feststellte, dass sich diese Galaxien kohärent durch den Weltraum bewegen. Diese Kette stellt jedoch nur einen winzigen Bruchteil des größeren Systems dar, in dem sie lebt.
- Der Virgo-Galaxienhaufen: Diese massive Struktur enthält schätzungsweise etwa 2.000 Galaxien.
- Elliptische Riesen: Rechts von „The Eyes“ im Bild befinden sich zwei helle elliptische Galaxien, M86 und M84. Diese 1781 von Charles Messier entdeckten Galaxien sind massereich, alt und weisen keine ausgeprägten Spiralarme auf, die in jüngeren Galaxien wie den „Augen“ zu sehen sind.
Das Vorhandensein sowohl spiralförmiger (wechselwirkender) als auch elliptischer Galaxien in so unmittelbarer Nähe veranschaulicht die Vielfalt der galaktischen Entwicklung innerhalb eines einzelnen Clusters. Es wirft Fragen über die Zukunft von „The Eyes“ auf: Werden sie irgendwann zu einer einzigen elliptischen Galaxie verschmelzen, ähnlich wie M86 und M84?
Vom Hinterhof zum Kosmos
Was dieses Bild so bemerkenswert macht, ist nicht nur das Thema, sondern auch die Zugänglichkeit der Technologie, mit der es aufgenommen wurde. Brecher nutzte weder ein Weltraumteleskop noch ein riesiges Observatorium. Stattdessen nutzte er:
- Ausrüstung: Ein Skywatcher Esprit 120-Teleskop gepaart mit einer speziellen Astronomiekamera.
- Technik: Er verbrachte zwischen dem 17. und 27. April über neuneinhalb Stunden damit, Lichtdaten zu sammeln.
- Verarbeitung: Durch die Kombination dieser Langzeitbelichtungsbilder konnte er schwache Details und Farben sichtbar machen, die für das bloße Auge unsichtbar waren.
Dieser Erfolg unterstreicht einen wachsenden Trend in der Amateurastronomie: Mit bescheidener Ausrüstung und Geduld können Enthusiasten professionelle Bilder erstellen, die zu unserem visuellen Verständnis des Kosmos beitragen.
So erkennen Sie Markarians Kette
Beobachter, die dieses Himmelsmerkmal am Frühlingshimmel lokalisieren möchten, müssen zwischen zwei Hauptkonstellationen navigieren:
- Löwe lokalisieren: Finden Sie das Sternbild hoch am südwestlichen Horizont kurz nach Sonnenuntergang. Identifizieren Sie Denebola, den hellen Stern, der den Schwanz des Löwen markiert.
- Jungfrau finden: Schauen Sie unten links von Löwe, um den Stern Vindemiatrix im Sternbild Jungfrau zu finden.
- Zielen Sie auf die Lücke: Markarians Kette liegt auf halber Strecke zwischen Denebola und Vindemiatrix.
- Benötigte Ausrüstung: Um diesen Himmelsausschnitt abzusuchen, wird ein 6-Zoll-Teleskop empfohlen. Während M86 und M84 mit einem Fernglas von einem dunklen Standort aus gesehen werden können, erfordern die feineren Details der Kette eine stärkere Vergrößerung.
Fazit
Ronald Brechers Bild von Markarians Kette bietet mehr als nur ein schönes Bild; Es bietet einen greifbaren Einblick in die galaktische Dynamik und Entwicklung. Indem das Foto die turbulente Wechselwirkung von „The Eyes“ vor dem stabilen Hintergrund elliptischer Riesen hervorhebt, veranschaulicht es die komplexen Lebenszyklen von Galaxien in unserem lokalen Universum, die alle durch die Linse zugänglicher Amateurtechnologie erfasst werden.





















