Ein polnischer Mann in den Dreißigern erlebte eine dramatische Verschlechterung seines Gesundheitszustands, nachdem er sich ein rotes Tattoo stechen ließ, was die oft übersehenen Risiken im Zusammenhang mit Tätowierfarben verdeutlicht. Der von Ärzten der Breslauer Medizinischen Universität dokumentierte Fall beschreibt einen mehrjährigen Kampf mit schweren allergischen Reaktionen, der schließlich die chirurgische Entfernung der tätowierten Haut erforderte, um das Fortschreiten seiner Erkrankung zu stoppen.
Der erste Ausbruch und eskalierende Symptome
Vier Monate nach der Tätowierung auf seinem rechten Unterarm bekam der Mann einen starken, juckenden Ausschlag, der sich über Arme und Brust ausbreitete. Dies eskalierte zur Erythrodermie – einer gefährlichen, den ganzen Körper umfassenden Hautentzündung. Die Ärzte vermuteten zunächst ein Ekzem, aber der Zustand verschlechterte sich insbesondere in den tätowierten Bereichen, als die Medikamente abgesetzt wurden.
Dies ist von Bedeutung, da es direkt auf die Tinte als Auslöser und nicht auf eine allgemeine Hauterkrankung hinweist. Die Reaktion des Körpers war nicht nur eine Reizung, sondern eine systemische Entzündungsreaktion, die sich auf das Pigment konzentrierte.
Langfristige gesundheitliche Folgen
Im Laufe der Jahre verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Mannes weiter. Er verlor die Fähigkeit zu schwitzen, verlor die gesamte Körperbehaarung und entwickelte Vitiligo (Hautaufhellung). Die einzige Möglichkeit, diese Effekte umzukehren, war die chirurgische Entfernung der roten Tätowierfarbe in Kombination mit immunsuppressiven Medikamenten. Selbst dann erwies sich die Schädigung seiner Schweißdrüsen als irreversibel, so dass er einem hohen Hitzschlagrisiko ausgesetzt war.
Der Fall unterstreicht, dass Tätowierungen nicht nur kosmetischer Natur sind. Injizierte Pigmente interagieren mit dem Immunsystem, und in manchen Fällen können diese Wechselwirkungen äußerst schädlich sein.
Regulierungslücken und Tintenzusammensetzung
Der Vorfall ereignete sich vor der EU-Verordnung von 2022 zur Zusammensetzung von Tätowierfarben, die gefährliche Chemikalien einschränkte. Allerdings mangelt es in vielen Ländern immer noch an einer angemessenen Aufsicht. Die Ärzte konnten die Tätowierfarbe des Mannes nicht auf giftige Substanzen wie Quecksilber oder synthetische Azofarbstoffe testen, die häufig in roten Pigmenten vorkommen. Dies stellt eine kritische Lücke im öffentlichen Gesundheitswesen dar, da viele Tinten nicht aufgeführte Verbindungen enthalten, die schwere Reaktionen auslösen können.
Das Problem ist nicht nur die Regulierung; es ist auch Transparenz. Das Fehlen einer eindeutigen Kennzeichnung macht es unmöglich, die genaue Ursache allergischer Reaktionen zu ermitteln, sodass sowohl Künstler als auch Kunden im Dunkeln tappen.
Autoimmunempfindlichkeit und zukünftige Risiken
Der Mann hatte bereits eine Autoimmunerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis), die seine Reaktion wahrscheinlich verschlimmerte. Personen mit Autoimmunerkrankungen, atopischer Dermatitis, Asthma oder Zöliakie sollten äußerste Vorsicht walten lassen, bevor sie sich tätowieren lassen, insbesondere bei Tätowierungen mit roter Tinte.
Der Fall zeigt, dass das Tätowieren zwar eine weit verbreitete Praxis ist, die Risiken – insbesondere bei unregulierten Tinten – jedoch real und möglicherweise lebensverändernd sind. Die langfristigen Auswirkungen der Pigmentansammlung in Lymphknoten und der Aktivierung von Immunzellen werden erst langsam verstanden.
Letztendlich ist dieser Fall eine deutliche Erinnerung daran, dass Tätowierfarben keine inerten Substanzen sind. Sie können schwere systemische Reaktionen auslösen, und zum Schutz der öffentlichen Gesundheit sind Vorschriften erforderlich.




















