Eine künstliche Intelligenz (KI) hat im riesigen Bildarchiv des Hubble-Weltraumteleskops über 1.300 bisher unentdeckte kosmische Anomalien aufgedeckt. Die Entdeckung, die in der Ausgabe von Astronomy & Astrophysics vom 16. Dezember 2025 detailliert beschrieben wird, umfasst etwa 800 Objekte, die noch nie zuvor von Astronomen identifiziert wurden. Dieser Anstieg neuer Erkenntnisse unterstreicht die Grenzen traditioneller Methoden beim Umgang mit jahrzehntelang gesammelten Weltraumdaten.
Die Jagd nach Anomalien
Die Forscher David O’Ryan und Pablo Gómez von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) haben ein KI-Tool namens AnomalyMatch entwickelt, um 100 Millionen Bildausschnitte aus dem Hubble Legacy Archive zu sichten. Dieses Archiv enthält Beobachtungen, die bis zum Start des Teleskops im Jahr 1990 zurückreichen. Die KI wurde entwickelt, um Muster in den Bildern zu erkennen und so die Entdeckung ungewöhnlicher Phänomene zu beschleunigen.
Die manuelle Überprüfung solch umfangreicher Daten wäre selbst mit Unterstützung von Citizen-Science-Initiativen unpraktisch. Der schiere Umfang der 35-jährigen Aufzeichnung von Hubble erfordert automatisierte Tools, um den wissenschaftlichen Ertrag zu maximieren.
Was wurde gefunden?
Die KI identifizierte eine Vielzahl von Anomalien, darunter:
- Verschmelzende Galaxien: Chaotische Wechselwirkungen zwischen Galaxien weisen seltsame Formen und nachlaufende Ströme aus Sternen und Gas auf.
- Quallengalaxien: Quallenähnliche Strukturen mit gasförmigen „Tentakeln“, die sich aus ihren Körpern erstrecken.
- Kosmische Hamburger: Planetenbildende Scheiben in unserer Galaxie, die Hamburger-ähnlichen Strukturen ähneln.
- Nicht klassifizierte Objekte: Dutzende von Objekten widersprechen den bestehenden Klassifizierungsschemata völlig.
Über diese optisch auffälligeren Anomalien hinaus entdeckte die KI auch Gravitationslinsen – bei denen Vordergrundgalaxien das Licht von Hintergrundgalaxien verzerren. Diese Linsen erzeugen Bögen oder Ringe in den Bildern.
Warum das wichtig ist
Die Entdeckung verdeutlicht das ungenutzte Potenzial astronomischer Archive. Während sich Astronomen seit langem auf manuelle Inspektion und zufällige Beobachtungen verlassen, kann KI umfangreiche Datensätze systematisch nach verborgenen Mustern durchsuchen. Die Fähigkeit der KI, Anomalien schnell zu erkennen, deutet darauf hin, dass unser Verständnis des Universums möglicherweise unvollständig ist.
Die Ergebnisse unterstreichen die Leistungsfähigkeit der KI, die wissenschaftliche Ausbeute von Archivdatensätzen zu verbessern, insbesondere in Bereichen, in denen die Datenakkumulation die manuelle Analyse bei weitem übersteigt.
Dies ist ein bedeutender Schritt hin zu einem umfassenderen Verständnis kosmischer Phänomene. Die entdeckten Anomalien können bisher unbekannte physikalische Prozesse, neue Arten von Himmelsobjekten oder einfach Fehler in bestehenden Klassifizierungssystemen darstellen. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die wahre Natur dieser mysteriösen Objekte zu bestimmen.
